Von „Identitären und Hausbesetzern“. Lehren aus dem Juli 1927?

So, 29. Juli 10-17h, Ort: ÖH Uni Wien, Campus/AAKH Hof 2

Workshop mit Michael Hollogschwandtner und Elisabeth Luif

Am Morgen des 15. Juli 1927 kamen zehntausende Menschen zu einer spontanen Demonstration zusammen um gegen ein skandalöses Gerichtsurteil zu protestieren, in deren Verlauf der Wiener Justizpalast in Brand gesetzt wurde. Während das – menschenleere – Gebäude niederbrannte, gab Polizeipräsident Schober – als Tiefpunkt des polizeilichen Vorgehens – den Schießbefehl. Es folgte ein Polizeimassaker, dass bis zum nächsten Tag andauerte. Die Bilanz: 89 Tote und Hunderte Verletzte.

Diese Ereignisse wurden im letzten Jahr in einer Ausstellung des Innenministeriums (BMI) aufgegriffen. Die exzessive Polizeigewalt und deren Hintergründe standen dabei nicht im Vordergrund, vielmehr die angeblich gleiche Gewaltbereitschaft Linker wie Rechter im Kontext einer Radikalisierung beider politischer Lager . Daraus zog Innenminister Sobotka Lehren für heute: Die politische „Mitte“ müsse vor ihren „extremen“ Rändern beschützt werden, vor Identitären genauso wie vor Hausbesetzern.

Im Rahmen des Workshops werden wir nach einer historischen Einführung diskutieren, inwieweit diese Geschichtsdeutung im Rahmen der – weit verbreiteten – Extremismus-These verstanden werden kann, mit der rechte Gewalt verharmlost und linke Positionen delegitimiert werden. Wie wird diese Gleichsetzung konstruiert und was können wir ihr entgegensetzen?


Michael Hollogschwandtner ist seit mehr als 10 Jahren im Bereich der historisch-politischen Bildung tätig, u.a. für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) und das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), Gründungsmitglied des Verein Diskurs.

Elisabeth Luif ist Sozialwissenschafterin und arbeitet als Trainerin in der Geschichtsvermittlung. Sie plant und leitet historische Reisen im Verein present:history. Ihre Schwerpunkte sind Faschismus in Österreich und Südosteuropa.

Die beiden haben zur Ausstellung des Innenministeriums einen Artikel verfasst.


wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen für die Mitarbeit und die spannenden Diskussionen! Hier ein paar Impressionen vom Workshop:



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