Kino als politischer Raum: Zwischen Propaganda, Information und Unterhaltung

Mittwoch 10. Juli 2019, 19h / Schikaneder Margaretenstraße 22-24, 1040 Wien

Screening mit Andreas Filipovic und Sarah Kanawin

Das Kino im Wien der Zwischenkriegszeit erfreute sich hoher Popularität und wurde dabei auch von politischen Bewegungen und Parteien für Unterhaltungs-, Bildungs- und Propagandazwecke genutzt. Neben dem Werben für politische Ideen in eigenen Filmproduktionen, sollte der Interpretationsspielraum bestehender Bilder nicht der politischen Konkurrenz überlassen, sondern selbst ausgefüllt werden. Anhand von Filmbeiträgen aus den 1920ern und 1930ern, vor allem von sozialdemokratischer und kommunistischer Partei, haben Sarah Kanawin und Andreas Filipovic verschiedene Herangehensweisen aufgezeigt und diese im politischen und historischen Kontext verortet.  Wir sahen Kurzfilme über den Juli 1927, in den verschiedenen Produktionen wurden die gleichen Bilder teils völlig unterschiedlich interpretiert. Aufklärungs- und Propagandafilme des Roten Wien hoben die Leistungen der Stadt, beispielsweise in der Fürsorge hervor. Es gab aber auch kritische Filme, wie beispielsweise „Frauenleben Frauenlos“ in dem die Realität der Frauenerwerbsarbeit und die Mehrfachbelastung für arbeitende Frauen thematisiert werden.


Sarah Kanawin schrieb ihre Diplomarbeit über die Aktionsformen der Internationalen Frauentage in Wien. Sie ist Gründungsmitglied des Vereins für Kritische Theater-, Film- u. Medienwissenschaft (KritTFM) und arbeitet als Trainerin für politische Bildung, Gruppenprozesse und Organisationsstruktur, als Theater-Film- u. Medienwissenschaftlerin und Projektmanagerin in Wien.

Andreas Filipovic studierte Audiovisuelle Zeit- und Kulturgeschichte an der Universität Wien, diplomierte über Kinos als politischer Raum im Wien der Zwischenkriegszeit und dissertierte am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz und an der Universität Wien Debattenbeiträge zu Gesellschaft und Sozialismus im jugoslawischen Film der 1960er Jahre. Er arbeitet als Historiker und Filmproduzent und ist Geschäftsführer bei audiovisuellesarchiv.org.


Vielen Dank an Sarah und Andreas für die Gestaltung und allen Kinobesucher*innen fürs Kommen!



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